feuerberg — am rand des wolkenteppichs

 

mit maxi und mishka im chalet auf der gerlitzen alpe — frost in der luft, der unendlichpool im ersten licht und ein ort, der sich zwischen sonne und nebel komplett verändert

 

morgenrot über dem wolkenteppich

serpentinen

wir kommen aus münchen, direkt vom oktoberfest.

aus lärm, hitze, bierzelten, aus einem tag, der sich in jede richtung gleichzeitig bewegt. dann die fahrt hinauf: immer mehr höhe, immer weniger außenwelt.

so beginnt der feuerberg vielleicht am stärksten — nicht aus der stille heraus, sondern als klarer bruch mit ihr.

serpentine für serpentine zieht sie den berg hinauf, immer enger an den hang gelegt, immer weiter weg von allem, was unten noch maßstab war. dächer verschwinden. geräusche auch. selbst das gefühl für entfernung löst sich auf, weil jede weitere kurve aussieht, als wäre sie bereits die letzte gewesen.

hier kommt niemand zufällig vorbei.
hier fährt man sich bewusst aus etwas heraus.

oben liegt kärnten nicht vor einem, sondern unter einem.

ritual

morgens zuerst raus.

nicht reden, noch nicht.
tür auf. kälte ins gesicht.
dann weiter.

vom chalet führt der weg kurz ins freie und dann in diesen langen, schmalen gang hinüber zum haupthaus. nur eine minute vielleicht, aber lang genug, damit der körper den wechsel jedes mal neu registriert: drinnen warmes holz, draußen frost, dann wieder wärme, wasser, dampf.

dieser ablauf bleibt.

bademantel. kälte. gang.

zwischen wärme und frost

höhe

am ersten morgen hängt das tal unter einer geschlossenen wolkendecke. keine straßen, keine ortschaften, keine zufälligen details, an denen der blick hängen bleiben könnte. nur diese weiße fläche, darüber licht.

der unendlichpool liegt davor wie eine kante.

beim hineingehen ist der erste moment nicht weich. die haut zieht sich kurz zusammen, obwohl das wasser warm ist, weil die luft darüber so klar und kalt steht. dann löst sich der körper wieder. maxi lehnt am rand. der horizont ist kaum noch als linie zu erkennen.

wasser und himmel liegen so nah beieinander, dass für sekunden nicht mehr zu sagen ist, wo das eine aufhört und das andere anfängt.

hier oben verschiebt sich der horizont.

über den wolken

innen

im chalet ist es stiller als in vielen anderen hotels. geordnet, aber nicht kühl. als hätte jeder raum schon entschieden, wie schnell man sich darin bewegen soll.

auf der breiten fensterbank können zwei sitzen. ein buch zwischen den händen, mishka zwischen uns, draußen tannen, dahinter die linie der berge. kein großes panorama im touristischen sinn. eher ein blick, der lange hält, weil er nichts von einem will.

später der kamin.

kein dekoratives feuer, sondern eines, das erst angeht, wenn man sich selbst darum kümmert. holz nachlegen, anzünden, kurz warten, bis es wirklich greift. ein leises reißen im trockenen holz, dann flammen. ab da verändert sich der ganze raum.

draußen wird es schneller dunkel, als es unten je dunkel wird.

drinnen rückt alles näher zusammen.

shih tzu mishka liegt im chalet vor dem kamin im mountain resort feuerberg

drinnen feuer, draußen höhe

gerlitzen

später laufen wir hinauf.

mishka ist dabei, draußen gehört ihr der ort ohnehin mehr als uns. auf dem gelände, in der lounge, im foyer, auf den wegen zwischen chalet und haupthaus wirkt sie sofort selbstverständlich. nur im spa und im restaurant endet diese bewegung, dort bleibt sie außen vor. auch das gehört zur ordnung des hauses.

der weg richtung gipfel ist im herbst trocken an den offenen stellen und feucht, wo der schatten länger liegen bleibt. noch kein schnee unter den füßen, aber frost in den rändern. die luft ist so klar, dass jedes geräusch von schritten und jackenstoff härter klingt als unten.

dann ein tisch.

ein almdudler. ein kaltes stiegl.

kaiserschmarrn, noch zu heiß im ersten bissen.

mehr braucht der berg in diesem moment nicht.

eine pause über kärnten

zeichen

im feuerberg arbeiten nicht nur die räume. auch die begriffe tun es.

auf den zetteln und programmen stehen yoga am morgen, zen-bogenschießen, kräuter, hydrolate, fragen zum nachdenken. selbst die ruheräume tragen namen, die eher nach zustand klingen als nach funktion.

die esoterik ist hier nicht beiläufig. sie gehört zum haus.

zu dieser etwas entrückten logik auf 1769 metern.

wir könnten das belächeln.
lassen es aber einfach mitlaufen.

hier oben passt es erstaunlich gut zur höhe, zum nebel, zu den wegen durch warme gänge und kühle luft.

esoterische symbole und dekorationselemente über einem pool im spa-bereich des feuerberg resorts

zwischen wasser und zeichen

weißraum

am nächsten tag ist alles anders.

kein licht auf dem wolkenteppich. keine sicht bis weit ins land. nur regen, der fein genug fällt, um zunächst kaum aufzufallen, und dann doch überall ist. auf dem holz. auf den steinen. auf den bäumen. auf der wasseroberfläche.

der unendlichpool verliert jetzt jede klare grenze. dampf steigt aus dem wasser, der nebel hängt so tief darüber, dass beides ineinanderläuft. nichts endet sichtbar, nichts beginnt sichtbar. man schwimmt nicht mehr über dem tal, sondern in etwas, das den ganzen ort für einen moment unlesbar macht.

der blick endet nicht — er löst sich auf.

gerade dadurch wird es besser. der spa wirkt an solchen stunden nicht wie eine ausstattung, sondern wie ein zustand. wärme auf der haut, regen auf den schultern, dann wieder trockene hitze, holz, stille. irgendwo ein becken weiter, irgendwo eine tür, irgendwo ein ruheraum, der im halbdunkel noch stiller ist als der davor.

bademantel. kälte. gang.
wieder zurück.

person im unendlichpool bei regen und nebel am feuerberg, wasser und himmel gehen optisch ineinander über

der horizont löst sich auf

der tisch

am abend wartet immer derselbe platz im restaurant.

auch das ist eine kleine form von beruhigung. kein suchen, kein neuverorten, kein kurzer moment von unsicherheit, wem welcher blick gehört. wir gehen hinein und wissen bereits, wo wir sitzen, wie das licht von der seite auf den tisch fällt und an welchem punkt draußen die dunkelheit die berge verschluckt.

das menü liegt schon da.

jeden tag neu, aber nie inszeniert hektisch. fisch, vegetarische gänge, klare komponenten, dazu das buffet mit salaten, vorspeisen, desserts, käse. eine fülle, die nicht laut wird. selbst das wirkt geordnet. auf dem teller gebratener fisch mit goldbrauner haut, darunter gelbes risotto. am nächsten abend wieder andere kombinationen, andere entscheidungen, aber dieselbe ruhe.

vieles wirkt hier für vegetarier nicht wie mitgedacht, sondern wie selbstverständlich.

service, der aufmerksam bleibt, ohne sich zwischen einen und den abend zu schieben.

ein abend auf dem teller

fenster

später wieder ins chalet.

der kamin hat inzwischen seine eigene temperatur erreicht. mishka liegt auf der decke, hebt kurz den kopf und schläft weiter. auf der fensterbank bleibt noch genug licht, um ein paar seiten zu lesen. draußen kaum mehr etwas als schwarze flächen und die ahnung der tannen.

hier oben bleibt das draußen immer mit im raum.

und vielleicht ist genau das der eigentliche luxus dieses ortes: nicht die zahl der becken, nicht die länge der saunaliste, nicht der blick allein — sondern diese ständige verschiebung zwischen innen und außen, zwischen sicht und nichts, zwischen ritual und wetter.

shih tzu mishka sitzt auf der fensterbank im chalet und blickt auf berge und tannen in kärnten

ein platz am rand des tages

was bleibt

nicht ein bild. eher eine folge von dingen, die im körper bleiben.

die auffahrt in serpentinen.
bademantel, kälte, gang.
morgens der unendlichpool, als gäbe es keinen rand.
regen, der den berg auslöscht.
der feste tisch am abend.
holz, das erst nach dem zweiten versuch wirklich feuer fängt.
eine fensterbank für zwei.
mishka dazwischen.
kärnten unter wolken.

und das gefühl, dass ein ort nicht durch seine weite bleibt, sondern durch seine übergänge.


notiert

der feuerberg funktioniert als ort vor allem, wenn man mit dem auto kommt. die letzte strecke hinauf gehört schon zur erfahrung und macht zugleich klar, wie weit oben man hier tatsächlich ist.

das chalet war für uns die richtige basis: mehr ruhe, der blick über kärnten, der kamin und diese fensterbank, auf der man länger sitzen bleibt als geplant. mishka war dort, im foyer, in der lounge und draußen auf dem gelände selbstverständlich dabei. im spa und im restaurant dagegen nicht.

wer hier ist, sollte den weg hinaus auf die gerlitzen alpe nicht auslassen. nicht als große tour, eher als verlängerung des ortes nach draußen.

am stärksten war der feuerberg für uns im herbst: noch kein schnee, aber frost. ein tag über dem wolkenteppich, der nächste in regen und nebel. gerade dieser wechsel macht den ort erinnerbar.

Hinweis: Dieser Beitrag enthält vereinzelt Affiliate-Links.

Zurück
Zurück

amsterdam — im rhythmus der grachten

Weiter
Weiter

spreewald — ein wochenende zwischen stille und gemeinschaft